Berichte von 06/2015

AIFS Blogeintrag

29Juni2015

Liebe Leser und Leserinnen,

Ich wurde vor genau einer Woche von der AIFS Organisation gefragt einen kurzen Blogeintrag zu schreiben, da dachte ich mir das ich ihn auch direkt hier rein poste.

Viel Spaß beim lesen!

 

 

Ich bin Seda Isabell, mein chinesischer Name ist 静丹(jìan dan) er bedeutet leise Pfingstrose. Jian heißt auf chinesisch leise und dan ist das Endsymbol von dem chinesischen Wort Pfingstrose.Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Hamburg. Zurzeit befinde ich mich in einem Kulturaustausch für 6 Monate zwischen einer chinesischen Familie und mir. Ich lebe hier in Hangzhou, China und meine Familie besteht aus insgesamt 10 Personen, dazu gehören meine Host Kinder Simon (10), Yoyo (5), Coco (4), meine Host Mutter, mein Host Vater, meine Host Tante, mein Host Onkel, meine Host Oma, mein Host Opa und die Putzfrau.

Viele denken sich jetzt wahrscheinlich, "Wow ist das eine riesige Familie!" und sie haben womöglich recht, aber ich liebe es. Man sitzt nie allein und gelangweilt rum, man hat immer den Wechsel zwischen der englischen Sprache und der chinesischen und vor allem bekommt man das richtig chinesische Familienleben zu spüren!

Aller Anfang ist jedoch schwer, so sagt ein altes Sprichwort und ich möchte es auch nicht verheimlichen. Am Anfang als ich ankam hies es nämlich "Ich will sie nicht, ich mag sie nicht, sie soll gehen.", war also nicht wirklich der nette Empfang den ich mir gewünscht hatte.

Ich muss aber zu geben, ich kann die Kinder verstehen. Ich komme aus dem Nichts in die Familie, sehe anders aus, spreche eine andere Sprache und soll auch noch ein Geschwisterteil sein? Unmöglich.

Nach einer gewissen Zeit jedoch spürt man das man zur Familie gehört und auch die Kinder spüren das man für eine längere Zeit dort bleibt. Man frühstückt zusammen, man spielt zusammen, man verbringt Abende miteinander und vor allem fällt man zusammen und baut sich zusammen wieder auf. Es hat zwar ein paar Monate gedauert, aber jetzt wollen die Kinder mich nicht mehr gehen lassen. Am Anfang hies es "Ich will sie nicht!", jetzt heißt es "Geh bitte nicht!" und darauf bin ich stolz.

Wenn es um das Stadt leben geht, muss ich sagen das es einfacher ist als ich es mir vorgestellt habe. Ich kann kaum die chinesische Schrift lesen jedoch fahre ich Tag täglich Bus und Bahn. Es gibt schnelle und einfache Tricks.

1. Bushaltestellen zählen

2. Busnummern merken

3. Taxi's (Wenn man wirklich verloren geht, in Hangzhou fahren überall welche und sie sind wirklich günstig)

Wenn ich mich zurück erinner an die Tage als China erst eine Überlegung war, hatte ich die typischen Vorurteile wie jeder andere auch. Schlitzaugen, jeden Tag Reis, schlechte Luft und vorallem essen sie Hundefleisch.

Jetzt wo ich hier bin denk ich total anders!

Das Essen hier ist so gut, dass ich mit dem Rezepte schreiben gar nicht mehr hinterher komme. Ich texte meine Eltern zu, was sie alles probieren müssen, was sie alles nach kochen sollen und das ich die Art und Weise des Essens genau so Leben möchte wie die Chinesen. Wenn es zum Thema Hundefleisch kommt, stelle ich mich hinter die Chinesen denn es gibt Regionen die essen Hunde aber es gibt halt eben die Mehrheit die es nicht tun und die auch dagegen sind. Es ist ein großes Diskussionsthema.

Wenn es ums Thema Kulturschock geht, habe ich kaum welche erlebt. Ich hatte mir viel mehr Gedanken gemacht und auch viel mehr Angst als nötig war. Durch diesen Trip nach China lernt man nicht nur die chinesische Kultur kennen sondern man lernt seine Eigene und das habe ich jetzt kurz vor dem Ende erst bemerkt.

Ich bin strikt, organisiert und nicht unbedingt biegsam um ehrlich zu sein. Ich will nicht behaupten das alle Deutsche so sind aber ich habe für mich herrausgefunden wie ich denke und wie ich lebe. Die Chinesen sind dagegen locker, spontan und total gelassen. Genau das Gegenteil von mir somit gab es eine Situation die für mich zu viel war.

Es war Samstag und meine Host Mutter kam auf mich zu und erklärte mir das wir in eine andere Stadt, ungefähr 3 Stunden entfernt, Lorbeeren pflücken gehen und wir eine Nacht dort verbringen würden. Ich hatte ihr eine Woche vorher bescheid gegeben das ich am Sonntagabend auf einen Geburtstag von einem anderen Au Pair eingeladen wurde und sie gab mir das OK. Sie erklärte mir das wir am Sonntagvormittag wieder zurück fahren würden damit ich zu dem Geburtstag gehen konnte. Ich fande die Idee mit dem Lorbeeren pflücken sehr gut somit stimmte ich zu und packte meine Tasche für einen Tag. Am Sonntagvormttag jedoch fuhren wir nicht nachhause, wir fuhren zu Freunden von ihr. Sie erklärte mir das wir nicht nach Hangzhou zurück fahren würden. Sonntagabend waren wir dann in einem neuen Hotel und fuhren erst Montagnachmittag nach Hangzhou zurück. Ich hatte kein Problem damit das ich nicht zum Geburtstag gehen konnte, mein Problem war eher das wir 3 Tage in der anderen Stadt verbracht hatten und ich meine Tasche für einen Tag gepackt hatte. Da bemerkte ich wie organisiert und total unspontan ich eigentlich bin und wie spontan die Chinesen sind. Ebenfalls erinnerte mich mein Vater dran, dass Chinesen ihr Gesicht wahren müssen und die Host Mutter mir nicht direkt in Gesicht sagen wollte das ich nicht zum Geburtstag gehen könne denn das hätte mir einen schlechten Eindruck von ihr gegeben. Dies war mein größter Kulturschock.

Um alles genau Zusammenzufassen, ich bereue diese Reise nicht! Ich kann es nur jedem empfehlen seine eigenen Erfahrungen zu machen, man lernt nicht nur die chinesische Kultur kennen, man lernt sich selbst kennen und das ist was mir am Wichtigsten ist. Ich habe hier so viele neue Freunde gefunden, die ich nach der Reise aufjedenfall wieder sehen will, man halt Leid geteilt und man hat Freude geteilt. Ich habe mir auch fest vorgenommen noch einmal nach China zu kommen, meine Host Familie wieder zu sehen und noch mehr von diesem riesigen Land kennenzulernen. Ich liebe es und ich fühle mich in diesem Land richtig wohl!

 

-seda

 

 

 

Zu viel zu tun

02Juni2015

Hey liebe Leser und Leserinnen,

Ich muss mich glaub ich jetzt wirklich sehr entschuldigen das es so eine lange Pause gab! Aber jetzt bin ich in vollen Zügen zurück und bereit die Finger in die Tasten zu hauen! Es ist sehr viel in der letzten Zeit passiert, Simon möchte mich nicht mehr gehen lassen, die Familie spricht seid zirca 3 Wochen über nichts mehr anderes als ein Hund als Haustier (Simon möchte unbedingt ein deutschen Schäferhund, er sagt das erinnere ihn an Deutschland und an mich. Manchmal ist er schon ganz niedlich.), Katharina verlässt bald das Land und dann sind es nur noch 2 Monate bis ich auch weiter fliege.

Viele Fragen sich sicher "Warum weiter fliegen?, Seda kommt nicht nach Hamburg zurück?"

Nein, ich komme nicht nach Hamburg zurück, fürs erste. Ich fliege zu meinem Freund nach Australien und dort wollen wir dann noch einbisschen rumreisen. Vielleicht werde ich davon dann auch nochmal einbisschen berichten, aber das dauert noch 3 Monate.

Naja, mal wieder zurück zum Thema China. Ich gewöhne mich hier ein und ich liebe China. Ich bin für die Kinder endlich die große Schwester, die ich immer sein wollte und es ist traurig sagen zu müssen dass ich diese Familie bald verlassen muss. Aber ich freue mich natürlich auch auf das neue Abenteuer. Dazu kam vor kurzem die super tolle Nachricht das meine Eltern mich hier besuchen werden, dass heißt ich werde eine kleine Touristenführerin sein. Vorallem baut mich das sehr auf, nochmal meine Eltern zu sehen bevor es weiter nach Australien geht.

 

Was ihr alles verpasst habt:

Der Juni ist jetzt angebrochen und der Mai war voller Aktivitäten im Freien, das kommt vielleicht davon weil der Frühling hier ultra heiß ist und es super viel Spaß macht mit den Kindern draußen zu spielen. Der Sommer ist noch nicht da und ich sitze hier in den kürzesten Kleidern um bloß nicht zu schwitzen, was leider nicht verhindert werden kann. Der Juni ist der Regenmonat hier in China, das bedeutet 35 Grad UND noch dazu regen..... wortwörtlich Tropisches Klima

Naja, wir waren aufjedenfall auf einem chinesischen Bio Bauernhof. Es war sehr interessant, vorallem der Aufbau war ganz anders als auf einem deutschen Bauernhof. Eine kleine Menge von Tieren, großflächig und sauber. Die Kinder hatten viel Spaß und die Oma auch. Die Oma hat sich einfach mal zwei Bauernburschen geschnappt und chinesische Medizin mit ihnen abgerupft. (In China verschwendet man nichts, ich hab mir sagen lassen das sie mit fast jeder Art von Kräutern irgendeine Medizin erstellen können - Unglaublich und was schlucken wir? Antibiotika.)

 

 Am Ende des Tages, hat die Oma dann noch zwei Hühner gefangen die für mindestens einen Monat dann auf unserem Dach gelebt haben. Die Kinder fanden das ganz toll, weil sie dachten das die Oma auf dem Dach jetzt ein Hühnerbauernhof eröffnen möchte. Das sie aber gegessen werden daran denken Kinder nicht. Ich hatte deswegen auch eine kleinere Diskussion mit Simon. Er fragte mich ob man ohne einen Hahn, denn Küken zeugen kann. Ich wollte jetzt nicht den Mutterpart übernehmen und einem 10 Jährigen Jungen erklären wie das mit den Blumen und Bienen funktioniert. Somit hab ich einfach so getan als würde ich nicht verstehen was er meint. Ganz schön peinlich! Aufjedenfall sind wir dann ins Gespräch gekommen und Simon hat mir verraten das er kein Hühnchen mehr essen wollen würde, weil er die Hühner auf dem Dach so toll findet. Als wir dann letztens Hühnchen auf dem Tisch hatten, hat er mich verstutzt angeschaut und meinte "Seda? Is this my chicken?". Ich musste grinsen, ihm fiel das Stück Hühnerbein aus der Hand und er fragte histerisch die Oma ob es sein Huhn sein was er da gerade essen soll. Die Oma, die Tante und die Putzfrau zur gleichen Zeit natürlich "Neeeeein...."

Seid dem Gespräch schaut mich Simon bei jedem Essen an, wenn es Hühnchen gibt und verweigert es zu essen. Für Simon ist Rind aber völlig okay, schon witzig.

 

An einem anderen Tag sind wir in die Berge gefahren. "Bambuswald" nennt sich das Gebiet. Es ist richtig schön, die komplette Fläche ist mit Bambusstöckern umgeben und man kann den kompletten Berg hinaufklettern bis man an einem großen Tempel angekommen ist. China bietet so viel Geschichte und Kultur das hab ich in Deutschland noch nie gesehen. Dazu kommt noch das alles auch noch so schön ist und jeder einzelne kleine Tempel eine Bedeutung hat bis man dann beim großen angekommen ist. Ich glaube es war der Tempel des Windes.

 

 

Satz des Tages: Bienchen und Blümchen sind im Feuer des Zornes untergangen. Ende.

 

-seda